
Wir waren damals sehr engagiert in unseren Visionen. Es war eine Zeit triumphaler Erfolge, wilder Partys und spontaner Roadtrips quer durch ganz Europa. Es war aber kein ‚Aufbruch’ oder ‚Neubeginn’, sondern eine Art Zeitgeistlaune, wie eine ‚Königin der Nacht’, leicht und einfach.
In den darauf folgenden Jahren wurde es aber ernster und ruhiger, bis schließlich viele von uns mehr oder weniger konsequent ihre Visionen neueren Realitäten haben anpassen müssen. Sich daraus ergebende Härten einer infolge weniger wohlwollenden Zeit zum Trotz, fanden die meisten dennoch eine Nische, in der man sich einrichten konnte, ohne gleich alle Ideale über Bord werfen zu müssen.
Damals gab es in Basel eine großzügige Fabrikhalle. Hier haben sich alle denkbaren Designströmungen haltlos ausgetobt. Der Werdegang des ‚Mobitare’ steht analog für den Weg vieler, die sich damals in diesem Zeitenstrom heimisch gefühlt haben.
Mobitare präsentierte in rascher Abfolge immer neue Produkte einer sich selbst übertreffenden Designerszene. Wir waren häufig dort, man konnte unkonventionell manchen Designer treffen, weil der gerade auf der Leiter stand und mit Sekundenkleber und Schraubenzieher die ein oder andere Nachbesserung an seinem Objekt vornahm – das waren echt klasse Zeiten.
Dann aber, nach wenigen Jahren traten Sättigung, Überdruss und sogar Geschmacklosigkeit ein, bis schließlich ‚Lieschen Müller’ mit Fairtrade Staubwedeln nach dem Motto ‚bezahl zwei, Du kriegst drei’, das geistige Ruder übernahm und die Unmöglichkeit einer Heimstatt
von Idealen so offensichtlich wurde, dass es zwar bedauerlich, aber in Ordnung war, dass letztlich der ganze Bau abgerissen und einem Parkhaus gewichen ist.
2020 ist Claudia Blum verstorben, und deshalb schaue ich nach mehr als dreißig Jahren zurück auf diesen Zeitenstrom, denn der war auch die Zeit unserer Liebe. Claudia war die Schönste und die Liebe zu ihr die Tiefste, die ich je empfunden habe. Ob diese der Person, ihrer Schönheit oder der Unbefangenheit unserer Jugend geschuldet ist, vermag ich heute nicht mehr auszumachen.

Ich habe aber lange nachgedacht und dann diese kleine Lampe entworfen, die alle wirtschafts-ökonomischen Gesichtspunkte verhöhnend, in Gestalt und Machart unsere damalige, bedingungslose Aufrichtigkeit der Empfindungen widerspiegeln möchte. Die Reihenschaltung der beiden Brennstäbe macht sie nahezu unzerstörbar. Ihre Dualität ist deshalb auch Einheit, weil wenn eine erlischt, dann tut das die andere auch, denn leuchten können sie nur gemeinsam.
„Remember“ will aber auch an eine Zeit erinnern, in der Lichtqualität noch von Bedeutung war. Die angewendeten Halogenbrennstäbe R7s sind dem sogenannten ‚Glühbirnenverbot’ nicht zum Opfer gefallen, sondern sind weiterhin und dauerhaft erhältlich. Optimal, wenn die Leuchte mit einem Dimmer ganz niedrig betrieben wird. Eine Ewigkeitslampe, ihr Licht ist schön, sie will erfreuen und ist auch eine Art Spielzeug.
Christoph Dutschke